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Bergpark Wilhelmshöhe

Weltkulturerbe im Westen von Kassel

Wenn du in Kassel zu Besuch bist, solltest du dir einen Besuch im größten Bergpark Europas nicht entgehen lassen. Schon als Kind war ich in diesen Park verliebt, der im östlichen Bereich des Habichtswalds liegt und zu seiner ohnehin beachtlichen Größe von 2,3 Quadratkilometern, die ihn zum größten Bergpark in Europa machen, von drei Seiten von Wald umschlossen ist.

Fotografisch gesehen erfüllt der Park viele Wünsche, da er viele durch durchdachte Sichtlinien und Panoramen bietet.

Ich mag den Park am liebsten, wenn er im sanften Morgennebel verborgen ist, es noch ganz still ist so dass man beim Gehen die Splitsteinchen unter den Schuhen knirschen hört. Dann, wenn die Bäume schon ihr Herbstkleid angezogen haben, die Sonne aber noch genug Kraft hat, um den Nebel zum Leuchten zu bringen. Wenn es windstill ist, so dass man die Spiegelung der Bäume in der Wasseroberfläche sehen kann. Und dann mag ich den Park auch im Frühling, wenn der Rhododendron und die Rosen in vielen Farben blühen, im Sommer, wenn die Wasserspiele stattfinden, und im Winter, wenn die Hügel verschneit sind und der See zugefroren ist, die älteren unter uns erinnern sich sicher an Winter, die noch ihren Namen verdienten.

Weltkulturerbe

Seit 2013 gehört der Bergpark Wilhelmshöhe zum UNESCO Weltkulturerbe. Als geborene Kasselerin freut es mich natürlich, dass dem wirklich wunderschönen Park diese Ehre zuteil wird. Allerdings bringt eine solche Auszeichnung natürlich auch ein deutlich erhöhtes Touristenaufkommen mit sich, so dass ich dir zum ruhigen Fotografieren für einen Besuch eher die Randstunden des Alltags empfehle. Da ich den Park schon von klein auf kenne, will ich dir nicht “die” Sehenswürdigkeiten empfehlen, davon hat er ohnehin zu viele, um sie in einem Besuch alle zu sehen. Ohnehin bin ich kein Fan davon, touristische Hotspots abzuarbeiten, auf den Auslöser zu drücken und dann zu Hause die Bilder anzusehen. Sondern lieber erstmal ankommen, umschauen und herausfinden, was mir selbst an einem Ort gefällt, häufig sind es gar nicht die Dinge, die als größte Attraktion gelten, obwohl ich mir diese der Vollständigkeit halber natürlich auch ansehe, aber Fotos mache ich davon dann doch eher selten und wenn dann zu Dokumentationszwecken. Daher hier in loser Reihenfolge ein paar Anregungen.

Panoramen

Die große Achse, die den Park durchläuft, geht von Westen nach Osten, sie erstreckt sich vom höchsten, westlichen Punkt des Parks hinunter zum östlichen Ende und geht von dort direkt über in die Wilhelmshöher Allee, eine zentrale, schnurgerade Straße in Kassel. Auf dieser Sichtachse bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, Panoramen zu fotografieren - oder einfach den Sonnenaufgang über Kassel zu genießen.

Bauwerke

Neben der Bepflanzung hat der Bergpark auch jede Menge schöner Bauwerke zu bieten, die drei imposantesten sind der Herkules, das Schloss Wilhelmshöhe und die Löwenburg. Der Herkules, das Wahrzeichen von Kassel, thront unübersehbar an der Spitze seines Oktogons, das am höchsten Punkt des Parks steht, und schaut von dort in gerader Linie über die Kaskaden, das Schloss, die Wilhelmshöher Allee und die Dächer der Stadt. Sowohl der Herkules selbst ist ein tolles Fotomotiv sowie auch der Blick von der Aussichtsplattform am Fuß des Oktogons, sofern du den steilen Aufstieg nicht scheust; rund 530 Stufen sind an den Kaskaden entlang zu überwinden. Das Schloss Wilhelmshöhe ist ein klassizistisches Bauwerk mit zwei abgerundeten Flügeln. Wie auch der Herkules wird es Abends beleuchtet und ist somit auch im Dunkeln ein tolles Motiv. Im Inneren des Schlosses befinden sich wechselnde Gemäldeausstellungen, die natürlich auch einen Besuch wert sind, sofern du dich für die bildende Kunst begeisterst: die Sammlung „alte Meister“ umfasst unter anderem mehrere Bilder von Rembrandt.

Schloss Wilhelmshöhe im Bergpark Wilhelmshöhe in der Abenddämmerung

Schloss Wilhelmshöhe in der Abenddämmerung

Südlich von der Mittelachse des Parks steht als drittes zentrales Gebäude die Löwenburg, eine Nachempfindung einer Burg des Mittelalters, sie wurde bereits als Ruine erbaut und ist die Begräbnisstätte des Landgrafen Wilhelm IX. Der WehrTurm der Burg wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und ist in den letzten Jahren aufwendig neu gebaut worden.

Neben diesen drei großen Bauwerken gibt es im Park noch jede Menge sogenannte Kleinarchitekturen, die sich in die Landschaft einfügen und dazu einladen, sie beim Spaziergang zu entdecken, zum Beispiel die Pagode und das Milchhäuschen im chinesischen Dorf Mulang oder die Eremitage des Sokrates, Mutter aller Tinyhouses. Mein liebstes ist die Cestius-Pyramide, die oberhalb vom Schloss steht und einer römischen Begräbnispyramide nachempfunden ist. Auch das Grabmal des Vergil und das Hexenhäuschen eignen sich für stimmungsvolle Motive. Und wenn du den Park südlich aus Richtung Mulang betrittst, kommst du automatisch am Wunschtörchen vorbei.

Wasser

Wasser ist ein zentrales Element des Parks, es gibt etliche künstlich angelegte Teiche, einige von ihnen dienen als Reservoirs für die Wasserspiele. Der Lac ist der größte der Teiche, er liegt unterhalb vom Schloss Wilhelmshöhe und ist umgeben von einem Spazierweg und alten Bäumen. Zwei besondere Exemplare sind die Weiden, die sich im Laufe der Jahre soweit über die Wasseroberfläche geneigt haben, dass ein Teil ihrer Krone bereits im Wasser liegt. Die kleine Insel im südlichen Ufer des Lac ist eines meiner liebsten Fotomotive des ganzen Parks, da sich bei Windstille die Bäume im Wasser spiegeln und im Herbst ein tolles Farbenspiel entsteht.

Bäume im Morgennebel auf der Insel im Lac im Bergpark Wilhelmshöhe

Bäume im Morgennebel auf der Insel im Lac

Oberhalb der Löwenberg versteckt sich ein kleiner Waldsee zwischen den Bäumen, der Asch, der ebenfalls auf einem Spazierweg zu umrunden ist und besonders an windstillen Tagen tolle Spiegelungen der Bäume in seiner Oberfläche bietet - der Aufstieg zum Asch lohnt sich, aber er ist steil, schließlich sind wir im Bergpark, plane lieber eine Verschnaufpause ein.

Wasserspiele

Die Wasserspiele sind eines der Highlights des Parks Wilhelmshöhe, denn sie sind weltweit einzigartig und damit meine ich nicht ihre Dimensionen, denn sicherlich gibt es größere Fontänen und tiefere Wasserfälle auf der Welt. Ihren Status als Besonderheit verdienen sie, da sie heute noch genauso funktionieren wie einst vor 300 Jahren, als Landgraf Karl sie hat bauen lassen: nur mit der Schwerkraft und ohne Strom, denn der war damals ja noch nicht erfunden. 750.000 Liter Wasser werden für eine Aufführung in Gang gesetzt, die aus natürlichen Reservoirs kommen und aufgrund physikalischer Gesetze ihre Reise durch die verschiedenen Stationen antreten. Los geht es an den Kaskaden des Herkules, anschließend fließt das Wasser im großen Zick-Zack über die Steinhöfer Wasserfälle, unter der Teufelsbrücke hindurch in den Höllenteich, von dort zum Aquädukt, wo es rund 40 Meter in die Tiefe fällt, denn das Aquädukt ist als künstliche Ruine gebaut und findet schließlich in der großen Fontäne im Schlossteich sein fulminantes Ende.

Ganz genau genommen ist die Fontaine nicht das Ende der Wasserspiele, denn das Wasser fließt ja anschließend aus dem Fontänenteich über die Wasserfälle weiter hinunter in den Lac und dann aus dem Park hinaus und schlussendlich in die Fulda. Zu besonderen Anlässen werden die Wasserspiele beleuchtet in den Abendstunden gezeigt.

Bei den Wasserspielen sind die Auswirkungen, die die Ernennung des Parks zum Weltkulturerbe hat, am auffälligsten: der touristische Andrang! War es in meiner Kindheit noch möglich, an einem Sonntag nachmittag als Familie zu den Wasserspielen zu gehen, bei einem gemütlichen Spaziergang die Wasserbilder zu genießen und dann vor dem Schlossteich auf die große Fontaine zu warten - natürlich immer in der kindlichen Hoffnung, dass der Wind sich spontan dreht und in der sommerlichen Hitze eine kühle Erfrischung aus der Fontaine über die Besucher wehen lässt - so muss man dabei heute Menschenmassen in Kauf nehmen, die mit Reisebussen kommen und als Kometenschweif ihres Touristenführers die einzelnen Stationen abarbeiten.

Der Einzigartigkeit der Wasserspiele tut das natürlich keinen Abbruch und sofern dich Menschenansammlungen nicht zu sehr in deinem Erleben einschränken, solltest du sie dir selbstverständlich ansehen.

Bäume

Aufgrund seiner Bepflanzung gilt der Park als Arboretum, er beheimatet über 300 heimische und exotische Baumarten, viele von ihnen sind nummeriert, so dass du nachschauen kannst, welche besondere Art du gerade vor der Nase hast.

Neben großartigen heimischen Arten wie der Rotbuche oder der Eiche, gibt es auch Exoten unter den Bäumen, wie zum Beispiel den asiatischen Taschentuchbaum, der im Mai blüht und dabei aussieht, als hätte ihn jemand wüst mit gebrauchten Tüchern dekoriert. Eine poetische Interpretation der weißen Fähnchen ist der Gedanke an Tauben, weshalb der Baum auch Taubenbaum genannt wird. Ein tolles Farbenspiel bietet der japanische Fächerahorn süd-westlich vom Schloss mit seinen ganzjährig leuchtend roten Blättern. Oder gleich nebenan die chinesische Blasenesche, die ihre Früchte in feinen Lampions aufhängt. Oder der riesige Tulpenbaum südlich des Fontainenteichs.

Blüten und Blumen

Obwohl der Schwerpunkt der Bepflanzung des Parks auf Bäumen und Sträuchern liegt, gibt es je nach Jahreszeit sind auch Blumen zu sehen. Abgesehen von den wild auf der Wiese wachsenden Schlüsselblumen und Herbstzeitlosen sind die Rabatten vor dem Gewächshaus liebevoll und aufwändig in Mustern bepflanzt. In der Nähe vom Schloss Wilhelmshöhe stehen außerdem Rhododendronbüsche, die bereits Ende April die ersten Blüten haben. Die volle Farbenpracht kannst du im Mai bewundern.

Im Sommer sind die Rosen dran, die gut duftenden Büsche findest du unterhalb vom Schloss und auf der Roseninsel, die du über eine kleine Brücke betreten kannst. Insgesamt wachsen im Park über 1.000 verschiedene Rosensorten! Darunter auch die “Perle von Weißenstein” des Hofgärtners August Schwarzkopf, die als älteste deutsche Zuchtrose gilt, da sie bereits vor mehr als 200 Jahren gezüchtet wurde.

Mein ganzjähriges Highlight der Roseninsel ist das Denkmal für den kaiserlichen Dackel Erdmann, welches der Kaiser Wilhelm II an einem schattigen Plätzchen für seinen verstorbenen Hund errichten ließ.

Gedenkstätte des kaiserlichen Dackels Erdmann auf der Roseninsel im Berpark Wilhelmshöhe

Gedenkstätte des kaiserlichen Dackels Erdmann auf der Roseninsel

Wenn draußen keine Blüten blühen, sind im Gewächshaus neben dem Schloss Wilhelmshöhe welche zu finden, das in den Wintermonaten für Besucher seine Tore öffnet.

Natürlich ist diese Beschreibung des Parks kein Ersatz für einen echten Besuch - vielleicht hat dir diese Artikel ja Lust gemacht, einmal herzukommen und selbst durch den Park zu spazieren, egal ob mit oder ohne Kamera.

Die Wasserspiele finden vom 1.5. bis 3.10. jeden Mittwoch, Sonntag und an hessischen Feiertagen ab 14:30 Uhr statt (Achtung: Aufgrund der Corona-Situation sind die Wasserspiele in 2020 abgesagt!).

Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe

Kasseler Herkules

Gemäldegalerie Alte Meister

Bergpark Baumkataster

Verein Roseninsel Park Wilhelmshöhe e. V.

UNESCO-Welterbe Bergpark Wilhelmshöhe