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Dörnberg im Naturpark Habichtswald

Naturschutzgebiet im westlichen Kasseler Umkreis

Wanderung · Lesedauer: 9 Minuten · Last edit: Mar 15, 2021

In der Nähe von Kassel habt ihr ja auch Natur, stellte eine uns besuchende Freundin kürzlich erbaut bei einem Spaziergang am Dörnberg fest.

Jawohl, das haben wir, rund um Kassel - übrigens die zweitgrünste Stadt Deutschlands, wie an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben darf - gibt es sogar ganze Parks, die voll mit dieser Natur sind! Einer davon ist der Naturpark Habichtswald westlich von Kassel, zu dem auch das Gebiet Dörnberg gehört.

Abendlicher Blick auf den Dörnberg im Saharalicht des späten Februars 2021.
Abendlicher Blick auf den Dörnberg im Saharalicht des späten Februars 2021.

Unter Bezeichnungen wie “Hoher Dörnberg” oder “Alpenpfad” stellte sich die Freundin, gebürtige Österreicherin, natürlich etwas anderes vor als ein 578 Meter hohes Hügelchen und einen gemütlichen ebenerdigen Weg durch die Landschaft.

Aber was für Größe gilt, gilt auch für Höhe - sie ist schließlich nicht alles und der Dörnberg hat viel zu bieten, was ihn zu einem beliebten Ausflugsziel macht: Geschichtsträchtiges aus der Welt der Kelten, steile und weniger steile Wanderwege, weite Blicke ins Kasseler Umland, kuriose Felsformationen und saisonal Segelflieger sowie diverse Weidetiere, die den Kalkmagerrasen in Form halten.

Karge Flächen mit vereinzelten Wacholderbüschen auf der einen Seite, auf der anderen Seite hochgewachsene Bäume, manche sogar mit Gesicht. Ich bin Team Buchenwald, weil ich den beruhigenden Blick ins Laub so gern mag, aber das dachtest du dir vielleicht schon.

Goldene Stunde am Jägerpfad auf dem Dörnberg
Goldene Stunde am Jägerpfad auf dem Dörnberg

In schneereichen Wintern kann man Snowkiter bei waghalsigen Wendemanövern beobachten (oder selbst welche machen) und im Frühling in einem Meer aus Schlüsselblumen baden.

Letzteres natürlich nur mit den Augen oder wahlweise der Kamera, denn die hübschen gelb blühenden Gewächse stehen unter Naturschutz. Wilde Orchideen, Küchenschellen und der Enzian runden das Farbenspiel ab, bei tief stehender Sonne entfaltet das Bouquet seine volle Schönheit.

Frühlingsblumen am Alpenpfad auf dem Dörnberg
Frühlingsblumen am Alpenpfad auf dem Dörnberg

Kleiner Dörnberg und Hoher Dörnberg

Der kleine Dörnberg ist das Aufwärmtraining, von seiner Kuppe aus blickt man auf die hessische Toskana, eine karge Landschaft aus Wachholderbäumchen, Buschland und Rasen.

Schlüsselblumen, Toskana-Landschaft, in der Ferne der Bärenbergturm auf dem gleichnamigen Berg
Schlüsselblumen, Toskana-Landschaft, in der Ferne der Bärenbergturm auf dem gleichnamigen Berg

Auf der Kuppe des kleinen Dörnbergs zeigt die rotweiße Windhose die Windrichtung an. Während der Saison werden hier Segelflieger hochgezogen und drehen ihre Runden, bei Segelflugbetrieb ist ein Großteil des Geländes für Spaziergänger nicht geöffnet. Aber die umlaufenden Wanderwege Alpenpfad und Jägerpfad sind eine gute Alternative, auf denen eine Kollision mit den lautlosen Fliegern nicht zu befürchten ist.

Vom Hohen Dörnberg aus ist die Sicht ins Kasseler Umland noch ein wenig besser, an klaren Tagen kannst du den Blick bis zum Meißner schweifen lassen. Oder einfach dem Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe über die rechte Schulter bei seiner Arbeit als Wahrzeichen zusehen, er führt ein eher ruhiges Dasein, ein echter Bürohengst, der beim Beamtenmikado locker jeden Konkurrenten aussticht.

Oder du machst nach deiner Wanderung über den Dörnberg gleich noch einen Abstecher auf den Schreckenberg, erklimmst den dort stehenden 15 Meter hohen Aussichtsturm und hast einen noch besseren Fernblick.

Bereits den Kelten gefiel das

Archäologische Funde aus den letzten Jahren haben ergeben, dass der Dörnberg verschiedene Besiedlungsphasen unserer Vorfahren hinter sich hat, von denen die älteste über 5.000 Jahre in die Jungsteinzeit zurückdatiert wurde.

Entdeckte Keramikscherben und Pfeilspitzen können im Kasseler Landesmuseum bewundert werden, von der einstigen Burganlage auf dem Hohen Dörnberg sind noch der Ringwall und Gräben erhalten, an denen man beim Aufstieg auf das Plateau vorbeikommt.

Helfensteine

Die Helfensteine im östlichen Bereich des Dörnbergs sind eine Felsformation aus Basalt, wie hingeworfen stehen sie auf ihrer Kuppe, die ansonsten nur mit Gras bewachsen ist. Sie sind ein spannendes Fotomotiv und vielleicht gefällt dir der Gegensatz der schroffen Felsen zu den grünen Hügeln genauso gut wie mir.

Sonnenaufgang im Frühjahr an den Helfensteinen
Sonnenaufgang im Frühjahr an den Helfensteinen

Man vermutet, dass die Helfensteine in vorchristlicher Zeit eine Kultstätte waren, an der unsere Vorfahren kultige Dinge taten. Wer kann es ihnen verdenken, denn wenn die Sonne sich langsam über den Horizont schiebt, strahlen die Helfensteine durchaus eine große Portion Mystik aus. Und wer hätte da nicht spontan Interesse an ein paar Opfergaben oder einer morgendlichen rituellen Wanderung hinauf zu den Steinen?

Wolkenspiel beim Sonnenaufgang hinter den Helfensteinen
Wolkenspiel beim Sonnenaufgang hinter den Helfensteinen

Dieses Foto entstand an einem kalten Aprilsonntag, an dem ich mir sicher war, dass niemand sonst sein behagliches Bett bereits vor Sonnenaufgang verlassen hatte - eine Fehleinschätzung, wie die Anwesenheit von drei Wanderern zeigt im morgendlichen Gegenlicht zeigt.

“Boy meets girl” - Die Wichtelkirche

Neben den Helfensteinen gibt es noch einen weiteren interessant geformten Felsen zu sehen, die sogenannte Wichtelkirche, auf der im Mittelalter einst eine kleine Burg namens Blumenstein gestanden hat. Übrig ist nur noch der Felsen, der grob an eine Kirche erinnert.

Burgstall Blumenstein, im Volksmund Wichtelkirche genannt
Burgstall Blumenstein, im Volksmund Wichtelkirche genannt

Die passende Sage dazu weiß, dass es einst einen Wichtelkönig gab, der mit seinem Volk an diesem Felsen lebte. Der König verliebte sich in eine schöne junge Menschenfrau, der er versprach, zum christlichen Glauben überzutreten, wenn sie ihn heiraten würde. Er erbaute eine Kirche, in der die Hochzeit stattfinden sollte, doch vor dem Altar bekam die Frau es mit der Angst zu tun, weil ihr die Kirche kalt und seelenlos erschien, und sie ließ den Wichtelkönig sitzen.

Mit einem Donnerschlag fiel die frisch erbaute Kirche zusammen und wir sehen heute den übrig gebliebenen, kahlen Basaltfelsen. Ein steiler Pfad führt hinauf und schon so mancher Sonnenuntergang wurde von dort bewundert. Von der Kälte keine Spur mehr, ebensowenig wie vom Verschmähten und seinem Volk.

Bisschen Muh dazu?

Im Sommer sind neben Ausflugsbegeisterten jede Menge Kühe und manchmal Ziegen auf den Wiesen und Hänge des Dörnbergs unterwegs. Sie sind Teil eines Weideprojekts und gehören Landwirten aus dem Umland, je nach Wind und Wetterlage halten sie sich im weitläufigen Gebiet frei auf und stören sich nicht weiter an den Spaziergängern auf ihrer Weide. Ab und an kommen sie einem sanft glotzend beim Fotografieren vor die Linse oder tummeln sich an den Helfensteinen, vielleicht halten sie dort bei Vollmond auch ihre eigenen tierischen Rituale ab, wer weiß das schon so genau.

Die Dörnbergkühe mäandern auf ihrer Weide den Helfensteinen vorbei
Die Dörnbergkühe mäandern auf ihrer Weide den Helfensteinen vorbei

Kommst du vorbei?

Parkmöglichkeiten gibt es direkt am Naturparkzentrum Habichtswald oder beim Zierenberger Ortsteil Friedrichsstein. Im dortigen Bergcafé kannst du - in Jahren ohne Pandemie - hervorragend einkehren.

Eine Windjacke ist immer eine gute Idee, die Segelflieger starten hier schließlich nicht, weil es windstill ist. Und das Wichtigste: Das Gebiet ist ein Naturschutzgebiet, also lass nichts dort, was dir gehört und nimm nichts mit außer Fotos.

Grimmheimat Nordhessen: Dörnberggebiet

Eco Pfad Archäologie Dörnberg

Naturpark Habichtswald Habichtswaldsteig Makrofotografie

Kathinka lebt im grünen Nordhessen im Landkreis von Kassel, weil es dort so schön ist. Sie fotografiert am liebsten das Unspektakuläre und findet, dass es nie genug Bilder von Bäumen im Nebel geben kann. Auf Instragram postet sie manchmal kleine Quadrate, hier gibts noch mehr über Kathinka.

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