blog

6 Tipps für bessere Blumenfotos

Vorhang auf für Schneeglöckchen und Co.

Tutorial · Lesedauer: 11 Minuten · Last edit: Apr 7, 2021

Endlich ist der Frühling da! So sehr ich den Winter auch schätze, so sehr freue ich mich jedes Jahr auf die ersten milden Tage und vor allem auf die ersten Farbtupfer, die nach der langen, monochromen Zeit die Welt wieder etwas bunter machen.

Schneeglöckchen, Krokusse, Osterglocken, Buschwindröschen, zarte Blüten und erste, hellgrüne Blätter, sie lassen das Herz höher schlagen und wecken Frühlingsgefühle. Doch wie fängt man diese Kostbarkeiten am besten mit der Kamera ein? Viele traurige Fotos von den ersten Frühblühern zeigen überbelichtete, glänzende Blätter mit harten Schatten vor einem unruhigen Hintergrund, auf denen die Stimmung, die am Ort des Geschehens herrschte, bestenfalls noch grob zu erahnen ist.

Ein Mohnbild mit vielen Fehlern: glänzende Blätter, Schatten, unruhiger Hintergrund, wahllos angeschnitten.
Ein Mohnbild mit vielen Fehlern: glänzende Blätter, Schatten, unruhiger Hintergrund, wahllos angeschnitten.

Dabei ist es ganz leicht, schöne Fotos von Blumen zu machen. In diesem kleinen Tutorial möchte ich dir Tipps auf den Weg geben, die deine Fotografie mit einfachen Mitteln auf das nächste Level heben.

Tipp 1 - Die richtige Linse

Für Fotos mit vielen Details, bei denen du möglichst nah an das Motiv heran möchtest, empfiehlt sich eine Makrolinse, mit der du den Blumen bis an den kleinsten Pollenstaub auf die Pelle rücken kannst.

Falls du kein Makroobjektiv dein eigen nennst, tut es auch eine normale Linse oder ein Zoomobjektiv mit einer etwas höheren Brennweite. Ich selbst nehme für meine Blumenbilder oft meine Portraitlinse mit 85mm Brennweite zu Hand, in Tipp 3 sage ich dir, warum.

Tipp 2 - Kenne das Licht

Für unsere Blumenfotos möchten wir ein möglichst weiches, gedimmtes Licht, das keine harten Schatten in die zarten Blütenblätter wirft. Das kann man künstlich erzeugen oder einfach auf die richtigen Bedingungen des natürlichen Lichts warten - am besten sind diese direkt nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang. In dieser Zeitspanne steht die Sonne direkt über dem Horizont und schickt ihr Licht im flachen Winkel zur Erde.

Die Atmosphäre wirkt in zweierlei Hinsicht wie ein Filter, durch ihre natürliche Dichte sorgt sie dafür, dass das Sonnenlicht insgesamt weniger hell bei uns ankommt. Gleichzeitig wird das blaue und violette Lichtspektrum gestreut, so dass vor allem oranges und rotes Licht übrig bleibt. Je länger der Weg des Lichts durch die Atmosphäre ist, also je tiefer die Sonne über der Erde steht, desto stärker ist der Filtereffekt. Violà: das ist die Wissenschaft hinter der vielgerühmten goldenen Stunde, des Fotografen liebste Tageszeit. Im Grunde ist es nämlich ganz egal, was man während der goldenen Stunde fotografiert, es kann gar nicht schlecht aussehen.

Krokusse im Morgenlicht
Krokusse im Morgenlicht

In den ersten Frühlingstagen steigt die Sonne noch nicht so schnell und hoch in den Himmel wie später im Jahr, das sind ideale Bedingungen für eine ausgedehnte natürliche, goldene Beleuchtung. Bonuspunkt: der Sonnenaufgang findet zu humanen Zeiten statt und nicht schon mitten in der Nacht. Falls du wie ich nicht zu den Frühaufstehern gehörst, nutze die frühen Monate im Jahr - je näher der Sommer kommt, desto mehr Überwindung braucht es, sich “mal eben für schönes Licht auf Blumen” um 4 Uhr aus dem Bett zu quälen.

Tipp 3 - Weiter ist besser

Viele Blumenfotos haben ein gemeinsames Problem: sie sind zu unruhig, weil viel zu viele Informationen darin sind und das Auge des Betrachters nicht in das Motiv hineingeführt wird. Ansprechender werden Blumenfotos, wenn die zarten Blüten, eine einzelne Pflanze oder eine schöne Knospe freigestellt werden, so dass das Hauptmotiv scharf abgebildet ist und der Hintergrund verschwimmt.

In einem großen Beet aus Krokussen oder Schneeglöckchen kann das manchmal gar nicht so einfach sein, da die Blumen dicht an dicht stehen und von Freistellung so gar nichts zu halten scheinen. Da ist ein bißchen Rumprobieren und Hin- und Herlaufen gefragt, bis das richtige Objekt gefunden ist. Bei den unten stehenden Schneeglöckchen habe ich mich zum Beispiel für eine noch geschlossene Blüte am Rand des Feldes entschieden.

Die Freistellung erreichst du, in dem du an deiner Kamera die Blende soweit wie möglich öffnest und den Fokus auf das Motiv setzt. Je weiter der Hintergrund nun von deinem Motiv entfernt ist, desto mehr verschwimmt er.

Die Darstellung dieser Unschärfe hängt vom Aufbau des verwendeten Objektivs ab und bei manchen Linsen entstehen mehr oder weniger runde Kreise in unterschiedlichen Helligkeitsstufen. Für den unscharfen Teil eines Bildes hat sich der japanische Begriff Bokeh etabliert - was ganz unspannend “Verschwommen” bedeutet, aber halt irgendwie cooler klingt. Die Unschärfe verändert sich mit der gewählten Blende, je weiter die Blende geöffnet ist, desto weicher und runder wird das Bokeh, je weiter die Blende geschlossen ist, desto detaillierter wird der Hintergrund.

Fotografen können Stunden damit zubringen, über die Güte, Qualität und Form des Bokehs ihrer Objektive zu fachsimpeln. Ich gebe zu, dass ich in dieser Beziehung ebenfalls ein wenig zum rumnerden neige und meine 85mm Festbrennweite bei der Blumenfotografie jedem Makroobjektiv vorziehe. Und das, obwohl sie als klassische Portraitlinse für Nahaufnahmen durch den hohen Mindestabstand zum Objekt etwas umständlich in der Handhabe ist - aber sie macht eben so ein tolles, butterweiches Bokeh, für das ich mich bei jeder Aufnahme wieder neu begeistere… ich schweife ab.

Knospende Rosen auf der Roseninsel im Berkpark Wilhelmshöhe in Kassel
Knospende Rosen auf der Roseninsel im Berkpark Wilhelmshöhe in Kassel

Es empfiehlt sich, mit der Freistellung ein wenig rumzuprobieren und mit verschiedenen Blendenöffnungen zu spielen, wer weiß, vielleicht erweist sich deine Linse ja ebenfalls als Bokehmonster.

Tipp 4 - Ab in den Schmutz

Blumen, vor allem die ersten Frühblüher, wachsen in der Regel dicht am Boden. Fotografierst du sie von oben, wirken sie verstreut und unordentlich und zarten Farben kommen vor dem meist dunklen Hintergrund nicht gut zur Geltung. Zeit also für ein wenig Gymnastik, denn wir möchten die Kamera auf derselben Höhe wie die Blütenkelche platzieren, und Squats, wie der Sportler weiß, sollen ja sehr gesund sein.

Herbstzeitlose im Morgentau
Herbstzeitlose im Morgentau

Die mitleidigen Blicke vorbeigehender Menschen lassen sich leichter ertragen, wenn du dich dafür nicht direkt in den Schlamm wirfst, sondern entweder eine mitgebrachte Unterlage nutzt oder - falls deine Kamera ein solches besitzt - das Klappdisplay so einstellst, dass du bequem von oben darauf schauen kannst.

Tipp 5 - Die Sonne ist dein Freund

Nachdem wir die richtige Güte des Lichts durch die goldene Stunde haben, ist noch die Frage nach der Positionierung des Lichts zu klären. Hier gibt es meiner Meinung nach kein Richtig und Falsch, vielmehr kommt es darauf an, welche Stimmung auf deinem Bild herrschen soll, denn alle Positionen haben ihre vor- und Nachteile.

Scheint die Sonne frontal auf dein Motiv, so ist es zwar gut ausgeleuchtet, aber die Farben können flach wirken. Seitliches Licht kann Spannung ins Bild bringen, aber auch viele Schatten, die die Blüten unruhig wirken lassen. Bei direktem Gegenlicht kann mit einer entsprechend kurzen Belichtungsdauer die Sonne sogar Teil des Motivs werden, wie im untenstehendem Bild eines Grashalms. Die Farben verschwinden bei diesem Winkel jedoch im Schatten. Teste dich am besten durch alle Varianten und stelle dir dabei die Frage, welche Lichteinstrahlung dein Motiv am besten zur Geltung bringt.

Ein Grashalm im Gegenlicht der Abendsonne
Ein Grashalm im Gegenlicht der Abendsonne

Ein Vorteil im Frühling: Über Nacht wird es häufig noch so kalt, dass sich Raureif bildet, der sich auf den Blättern und Blüten absetzt. Sobald frühmorgens die ersten Sonnenstrahlen darauf treffen, entstehen hell leuchtende Punkte, die sich hervorragend in den unscharfen Teil des Bildes einfügen, so wie auf diesem Foto der Heidepflanzen in meinem Garten.

Blühende Heide Anfang März
Blühende Heide Anfang März

Tipp 6 - Kontrolle ist besser

Du hast alles beachtet, das Licht korrekt eingesetzt, die Perspektive gut gewählt, die richtige Stimmung ins Bild gebracht und alles schön freigestellt? Sehr gut! Nun ist der perfekte Zeitpunkt, um dir das Bild in der Kamera anzusehen, am besten auf maximaler Vergrößerung.

Die kleinen frischen Blumen können nämlich ziemliche Ferkel sein und sammeln an ihren Blütenblättern Spinnweben, Insektenbeine und sonstigen Kram. Mit bloßem Auge fallen diese Störer nicht weiter auf, aber die Kamera mit ihrem hochauflösenden Sensor sieht einfach alles und nicht selten habe ich beim Entwickeln in Lightroom ganze Heerscharen von Insekten auf den Blüten entdeckt. Oder angefressene, eingerissene Blütenblätter. Oder im Hintergrund einen großen dunklen Fleck, der zum Beispiel durch ein verwelktes Blatt geworfen wird.

Insektendeko an Osterglocke
Insektendeko an Osterglocke

Natürlich kann man diese Störer auch in der Bildbearbeitung entfernen, ich persönlich finde das meistens zu umständlich und kläre die Sachlage mit den Anwesenden lieber direkt vor Ort. Bonus: ich hinterlasse nach dem Fotoshooting mindestens eine ordentliche Blume ohne Spinnweben.

Bonustipp: Und wenn gar keine Sonne scheint?

Kennst du den Spruch “If life gives you a rainy day, play in the puddles”? Wenn der Himmel trüb bleibt oder es mit dem Sonnenaufgang nicht so klappt wie geplant, sieh es als Chance und nicht als vergebenes Aufstehen.

Ein bedeckter Himmel hat nämlich auch große Vorteile, da er wie eine riesige Softbox wirkt und du dir um Schatten keine Gedanken machen musst. Die entstehenden Fotos haben ihre eigene, gedämpfte Stimmung und die Farbigkeit der Blütenblätter kommt ganz anders zur Geltung. Du kannst sogar direkt gegen den Himmel und die Wolken fotografieren, ohne dass die Blütenblätter ihre Farbigkeit einbüßen.

Mohnblumen
Mohnblumen

An trüben Tagen musst du die Aufnahmen jedoch länger belichten als bei Sonnenschein, falls du den ISO-Wert nicht zu sehr in die Höhe schrauben willst. Ein möglichst windstiller Ort ist dann von Vorteil und natürlich ein Stativ, um die kleinen Schätze wackelfrei einfangen zu können.

Ich hoffe, dir haben die Tipps geholfen und bin gespannt, ob und wie du sie umsetzen kannst.

Makrofotografie Blumen Equipment

Kathinka lebt im grünen Nordhessen im Landkreis von Kassel, weil es dort so schön ist. Sie fotografiert am liebsten das Unspektakuläre und findet, dass es nie genug Bilder von Bäumen im Nebel geben kann. Auf Instragram postet sie manchmal kleine Quadrate, hier gibts noch mehr über Kathinka.

Weiterlesen

Gefrorene Seifenblasen fotografieren

Tutorial | Lesedauer: 9 Minuten

Gefrorene Seifenblasen fotografieren

Guck mal, gefrorenes Wasser! Wahrscheinlich reißt dich so ein Ausruf im Winter nicht vom Hocker, falls du nicht gerade...
Dörnberg im Naturpark Habichtswald

Wanderung | Lesedauer: 9 Minuten

Dörnberg im Naturpark Habichtswald

In der Nähe von Kassel habt ihr ja auch Natur, stellte eine uns besuchende Freundin kürzlich erbaut bei einem...
Bonner Altstadt zur Kirschblüte

Jahreszeitlich | Lesedauer: 6 Minuten

Bonner Altstadt zur Kirschblüte

Das poetisch klingende Wort Hanami ist der japanische Ausdruck für das Betrachten der Kirschblüte. Und genau das habe...